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DEEPendencies sind der Nexus - Teil 2

Turtles

Abhängigkeiten sind der Nexus in der Organisation von Gruppen und definieren, ob Strukturen durch Fremdaufsicht beherrscht oder von taktischer Selbstorganisation getragen werden.

DEEPendencies“ ist der Shortcut einer populärwissenschaftlich gehaltene Zusammenfassung über Aufbau und Funktionsweise komplex adaptiver Gebilde, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Sie dient einem unkomplizierten Einstieg in die Welt von Systemtheorie und Kybernetik - Teil II von VI



„Cui bono“ und die Verschachtelung von Nutzen.



Die opportunistische Inanspruchnahme von Ressourcen verweist auf ein „Cui bono“ Prinzip, weshalb gemeinschaftliche Aktivitäten stets auf einer „verschachtelten“ Interpretation von Nutzen aufgebaut sind.

Der gemeinschaftliche Nutzen ist das Resultat der Schnittmengen individueller Interessen.

Die Erwartungen an erfüllbare Einzelinteressen stellen einen OUTPUT dar, der einem kollektiven Nutzen als INPUT zur Verfügung steht. Der Wirkungszusammenhang besitzt eine Zirkularität, da die positiven Resultate einer Gruppe wiederum der individuellen Motivation dienen.

Der Ablauf dieser zyklischen Prozesse ist von einer Selbstreferenz der Nutzeninteressen geprägt!

Man könnte dieses Grundprinzip eines auf sich selbst bezogenen Nutzens als elementar erachten, falls es sich z.B. mit natürlichen Wachstums- und Zerfallsraten in Zusammenhang bringen ließe.

„Glücklicherweise“ lässt sich dieses Modell durch simple Mathematik veranschaulichen.

Die Umformung einer quadratischen Gleichung von x² = ax + b zu x = a + b / x verweist auf eine Abhängigkeit und Selbstreferenz von „x“ (siehe Nutzen) auf beiden Seiten der Gleichung.

Interessanterweise beschreibt die Formel ein Objekt, welches aus mehreren verkleinerten Kopien seiner selbst besteht, was gemeinhin auch als Fraktal bezeichnet wird.

Gruppen wären somit Gebilde von fraktaler Natur, die gebrochene und keine ganzzahligen Geometrien aufweisen.

Fraktale

Gebrochene Geometrien lassen sich in der Natur überall finden, wie es dieser Zoom eines Broccoli anschaulich zeigt.



Das Problem der Fraktale besteht darin, dass sie keiner euklidischen Geometrie unterliegen, weshalb z.B. Organigramme sinnlos sind. Die Konstrukte einer solchen Umgebung beschreiben nur temporal-spontane IST/IST Zustände, die sich nicht durch lineare SOLL/IST Planungen erschließen lassen.

Dieser Zustand besitzt fundamentale Auswirkungen auf die Messbarkeit etwaiger Vorher/Nachher-Vergleiche. Eine absolute Quantifizierung wird gewissermaßen durch Relativität ersetzt.

Zurück zur Gleichung: Diese wird interessant, falls man den Variablen den Wert „1“ (a=1=b) begibt und die Formel als „unendlichen“ Kettenbruch [(x = a+ b/(a+b)/(a+b)/(a +b)/(a + ...))))] darstellt.

Das Resultat dieser Quotienten-Folge liefert Zahlen der Fibonacci-Reihe. Die Ergebnisse konvergieren zu einer irrationalen Zahl namens „Phi Φ“, die auch als „Goldener Schnitt“ bekannt ist. Eine grafische Interpretation des Modells liefert das sonderbare Muster logarithmischer Spiralen.

Spirale

Die logarithmische Spirale des "Goldenen Schnitts"



Diese logarithmische Wirbelform kann man auch bei der Anordnung von Blättern vieler Pflanzen vorfinden, weil das irrationale Gefüge schlichtweg eine bessere Lichtausbeute pro Blatt verspricht.

Eigentlich könnte man der Entwicklung von Gruppen auch eine Nähe zu „Wirbel“ unterstellen, da der „verschachtelte“ Nutzen eine Form motivationaler Sogwirkung auf die Aktivitäten der Akteure einer Gruppe ausüben dürfte.

Eine Überlagerung von Interessen basiert nicht auf Druck.

Die Zahl - Phi Φ – lässt sich zudem mit Hilfe der Eulerschen Zahl und der hyperbolischen Areasinus-Funktion ausdrücken. Noch einfacher geht dies durch eine Abwandlung der Exponentialfunktion zu f(n)=f0 * en/2.

Auf diese Weise ergeben sich approximative Werte der Fibonacci-Reihen, was für eine Verbindung zu natürlichen Wachstums- und Zerfallsraten spricht.

Unter diesen Gesichtspunkten würde sich Gruppendynamik in Referenz zu Fibonacci und Euler artikulieren.

Eine etwaige Koordination und Steuerung dieser Dynamik stünde demnach unter Einfluss von ex und logarithmischen Wirbeln. Aber dazu später mehr.

Die Synergie des Nutzens



Gruppen dienen den Individuen als eine Art Katalysator für deren Erhalt und Entwicklung.

Wird ein individueller Nutzen zum Gegenstand eines gemeinschaftlichen Nutzens, so kann eine Überlagerung der Interessen zu gegenseitigen Abhängigkeiten der Beteiligten führen.

Eine solche Verknüpfung von Motivation besitzt das Potenzial zu einer spontan vernetzten Strukturbildung.

Wenn Überlagerungen in einer Emergenz (Herausbildung) von Strukturen münden, wird dies auch als Selbstorganisation bezeichnet.

Dabei handelt es sich aber nicht um Automatismen, denn Strukturen sind immer das Produkt einer adäquaten Koordination von Rahmenbedingungen.

Realisiert wird dieses Management durch Ordnungsparameter, indem Einzelinteressen (unter dem Einfluss von Umweltbedingungen) und gemeinschaftliche Ziele in einen kollektiven Kontext gebracht werden.

Solche „Spielregeln“ werden auch als Defaults oder Settings bezeichnet und dienen der Harmonisierung von Interessen, indem sie eine Koordination der Akteure und Aktivitäten bewerkstelligen.

Die Defaults bestimmen über den Einsatz vorhandener Ressourcen im Einklang mit den machbar möglichen Bestrebungen. Die strategischen Anordnungen dienen dem Aufbau einer gegenseitigen Erwartungshaltung, wobei diverse Abhängigkeitsverhältnisse ausgelöst werden können.

Aber Vorsicht! Die Initiativen der Akteure unter Selbstorganisation besitzen lediglich eine taktische Relevanz (!) bei der Umsetzung strategischer Vorgaben. Selbstorganisation ist stets die Konsequenz einer Strategie und kein automatisiertes „Plug & Play“.

Eine Selbstorganisation ohne Regeln ist nicht darstellbar!

Die gezielte Koordination der Überlagerung von Interessen und Zielen kann auch als Synergie (2+2=5) bezeichnet werden.

Ein Blick auf die Formel (2+2=5) verdeutlicht zudem, dass es sich bei Synergie um eine Initiative von Nachhaltigkeit handeln muss, da Einsparpotentiale von Ressourcen involviert sind.

Sollten sich Vorgaben und Interessen nicht überlagern, kann es keine Abhängigkeiten und Synergie-Effekte geben.

In einem solchem Fall besitzen Gruppen keine logische Grundlage; You‘re better off alone“. Wer schließt sich schon freiwillig einer Gemeinschaft von Leprakranken an?

In Konsequenz einer suboptimalen Koordination kann die Bildung eines Verbundes scheitern oder zu „Auflösungserscheinungen“ bereits bestehender Strukturen führen.

Was unsere „Wüstengruppe“ betrifft, so stehen die Bedürfnisse und Interessen sicherlich unter dem gemeinsamen Primat des individuellen Überlebens der Beteiligten.

Die berechtige Frage dürfte nun sein, wie die Koordination zu einem gemeinsamen „Überlebensverbund“ führen kann?

Durch Regeln zu Arbeitsteilung, Rollen und natürlichen Hierarchien



Die prekäre Situation erfordert eine generelle Standortbestimmung.

Die fünf Individuen werden sich wohl zunächst miteinander austauschen und deren Fähigkeiten und Kenntnisse für eine geeignete Arbeitsteilung diskutieren, da eine Divisionalisierung die notwendige Produktivität und Vielfalt bereitstellen kann.

Die Ertragsfähigkeit durch Synergie bedeutet demnach nicht nur eine Überlagerung von Interessen und Umständen, sondern auch die richtige Koordination über den Einsatz Beteiligter und der zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Die Ausdifferenzierung der Erfahrungswerte sorgt meist für die Herauskristallisierung eines „Primus inter Pares“, der aufgrund seiner Kenntnisse (Vielfalt) eine situative Führungsrolle übernimmt und die Regeln für eine strategische Koordination konstituiert. Sollte es keinen Erfahrungsvorteil geben, können die Anordnungen auch demokratisch erarbeitet werden.

Zum Inhalt der Defaults gehören basale Ziele, Verhaltensmuster und Rollenzuweisungen, die eine Arbeitsteilung ermöglichen.

Die Übernahme von Rollen führt zu einer archetypischen Form interner Hierarchien (z.B. Jäger/Krieger, Seher, Heiler, Lehrer), wobei deren Aufgabe darin besteht, für eine Koordination der taktischen Optimierung zu sorgen.

Es sei angemerkt, dass Führung bei Nomadenvölkern stets situativ besetzt wurde. In Anbetracht der äußeren Umstände (Frieden oder Krieg) sind spezifische Rolleninhaber (aufgrund der Erfahrung) als situative Führer der beste Garant für ein Überleben. Aber zurück zum Thema!

Sollte eine „kritischen Masse“ der Akteure die Vorgaben für attraktiv erachten, kann eine konstante Gruppendynamik entstehen. Andererseits kann eine Kollektivbildung aber auch grandios scheitern, falls die individuellen Erwartungen an eine Gemeinschaft vernachlässigt werden.

Es ist erwähnenswert, dass die Defaults keine Vorschriften präskriptiver Natur, sondern Regeln von Kontingenz enthalten sollten. Die Frage nach dem Warum ist einfach erklärt.

Diktate begrenzen die Vielfalt im Gebilde und Gebote schaffen Freiräume der Interpretation, was deren Annahme und Umsetzung betrifft.

Wer hält sich schon stets an die Geschwindigkeitsbegrenzungen im Verkehr?

Werden die Regeln als sinnvoll erachtet, angenommen und Gegenstand von Erwartungen, kann eine den Anordnungen missachtende Handlung aber auch Sanktionen des Kollektivs auslösen.

Haben Sie schon einmal Ihren KFZ-Führerschein verloren?

Im nächsten Kapitel geht es u.a. um die Unterscheidung zwischen Symmetrie und Asymmetrie, wobei die Verdichtung von Asymmetrie medientaugliche und identitätsstiftende Auswirkungen besitzt. Zum Weiterlesen klicken Sie bitte folgenden Link zu Kapitel Drei.

Zu Teil 3





Text by Anton Seidl; Source and Credits to:

Ludwig von Bertalanffy, William Ross Ashby, Heinz von Foerster, Margaret Mead, Anthony Stafford Beer, George Spencer-Brown, Warren McCulloch, Walter Pitts, Arturo Rosenblueth, Norbert Wiener, Gregory Bateson, Julian Bigelow , Paul Lazarsfeld, Kurt Lewin ,Humberto Maturana, Francisco Varela, Stuart Kauffman, Alfred Radcliffe-Brown , Talcott Parsons, Hermann Haken, Niklas Luhmann, Fritz B. Simon;



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