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DEEPendencies sind der Nexus

Turtles

Abhängigkeiten sind der Nexus in der Organisation von Gruppen und definieren, ob Strukturen durch Fremdaufsicht beherrscht oder von taktischer Selbstadministration (was auch als "Selbstorganisation" bezeichnet wird) getragen werden.

DEEPendencies“ ist der Shortcut einer populärwissenschaftlich gehaltenen Zusammenfassung über Aufbau und Funktionsweise komplex adaptiver Gebilde, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Sie dient einem unkomplizierten Einstieg in die Welt von Systemtheorie und Kybernetik - Teil I von VI



Am Anfang steht die Frage, weshalb man sich für dieses Themenfeld der Selbstadministration oder Selbstorganisation natürlich geprägter Systeme überhaupt interessieren sollte?

Vielleicht, weil wir alle (ohne es zu wissen) jeden Tag mit systemischen Auswirkungen konfrontiert werden?

Die Wenigsten assoziieren banale Alltagserscheinungen mit einer kompliziert anmutenden Theorie. Wer interessiert sich schon für die Theorie der Schwerkraft, falls lediglich ein Bleistift zu Boden fällt?

Die Systemtheorie teilt dieses „Schicksal“. Den Meisten dürfte es relativ egal sein, ob Demokratien einen systemischen Aufbau vorweisen oder sogar der Straßenverkehr diesen Prinzipien folgt.

Bemerkenswerterweise steigt das Interesse, falls sich die „Sammelwut“ diverser Nachrichtendienste in einem kybernetischen Kontext erklären lässt. Aufbau, Entwicklung und Anpassung von Systemen stehen auch in Verbindung mit externen Steuerungsmöglichkeiten durch Dritte.

Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: In dieser Zusammenfassung geht es vornehmlich um das natürliche Management von Gruppen oder Organisationen, auch wenn sich die „Datengier“ der Nachrichtendienste im Kontext erschließen lässt.

Let’s start! Am besten beginnt man mit einer allgemeinen Beschreibung über den Sachverhalt.

Als System (altgriechisch sýstema = das Gebilde) betrachtet man die Ansammlung einer Vielzahl individueller Elemente, die temporal interaktive Relationen eingehen, um eine zeitlich begrenzte Strukturbildung zu betreiben.

Es ist lediglich ein „Spiel“ der Vernetzung zwischen Akteuren und deren Aktivitäten.

Welche Arten von Systemen gibt es?



Generell kann man zwischen künstlichen und natürlichen Systemen unterscheiden. Bei künstlichen Systemen handelt es sich um technische Apparaturen (wie z.B. Kaffeeautomat, Computer, etc.) vom Reißbrett, deren lineare Strukturen aufgrund vorhandener Bedürfnissen geplant werden.

Die nicht-lineare Form natürlicher Systeme unterliegt dagegen keiner geometrischen Planung, sondern folgt einem organisch spontanen Entwicklungspfad, wie man ihn auch bei Lebewesen beobachten kann.

Die Unterschiedlichkeiten beider Modelle sind aber nicht nur auf die Struktur beschränkt, sondern bestehen auch in der mathematischen Berechenbarkeit des Verhaltens und der Output-Resultate.

Handlungsabläufe und Ergebnisse künstlicher Systeme gelten als determiniert. Sie sind berechen- und vorhersehbar, weshalb derartige Gebilde auch mit dem Attribut „"trivial"“ versehen werden.

Die gewöhnliche Substanz intrinsischer Abläufe kann durch Spezialisten interpretiert werden, selbst wenn es sich um extrem kompliziert anmutende Konstrukte (z.B. ein Airbus A380) handeln sollte.

Im Gegensatz dazu werden natürlich konzipierte Objekte als „nicht-trivial“ erachtet. Die Variabilität der Entwicklungspfade dieser fraktalen Gebilde ist extrem hoch, was eine zuverlässige Berechnung von Output erschwert.

Das Expertenwissen besitzt Grenzen, falls Komplexität zum Gegenstand von Interpretation wird. Bei „Wettervorhersagen“ lassen sich zwar Verhaltensmuster erschließen, aber die Resultate werden im Zeitverlauf immer ungenauer. Eine richtige Vorhersage über das Wetter in 3-4 Tagen ist daher meist (noch) mehr Zufall als Präzision.

Das Problem besteht darin, dass natürliche Prozesse kaskadenförmig angeordnet sind und auf einer Selbstreferenz von Abstammung beruhen. Der Entwicklungspfad folgt exponentiellen Zyklen - von simpel zu komplex -, weshalb die Gebilde in einer kaum nachvollziehbaren Geometrie resultieren.

Last but not least, zeichnen sich beide Modelle auch durch unterschiedliche Anpassungsfähigkeiten aus. Natürliche Gebilde steuern diese selbst, indem sie eine intrinsische Vielfalt variieren. Technische Apparaturen dagegen sind auf eine Wartung oder Neumodellierung durch Dritte angewiesen.

Wenn man nun „nicht-triviale“ Gebilde beschreiben möchte besteht die Schwierigkeit darin, ein Funktionsprinzip illustrieren zu wollen, das keiner Planung unterliegt und dessen Resultate meist Überraschungen oder sogar Paradoxien beinhalten können.

Dennoch kann man sich der Methode dieser Konstrukte nähern, da sich das Prinzip nicht nur in mikroskopischen Umgebungen, sondern auch im beobachtbaren Makro-Bereich artikuliert. Diese Selbstähnlichkeit ermöglicht eine Beobachtung auf unterschiedlichen Betrachtungsebenen.

Wenn man sich die anfängliche Erklärung über Systeme (siehe oben) vergegenwärtigt, lässt sich erkennen, dass diese auch einer allgemeinen Beschreibung gewöhnlicher Gruppen genügen könnte.

Wir werden diese scheinbare „Deckungsgleichheit“ nun nutzen, um das allgemeine Funktionsprinzip natürlicher Systeme - soweit möglich - erklärbar zu gestalten:

Der Output als basales Grundprinzip natürlicher Systeme.



Stellen Sie sich vor, dass Sie als Einzelperson zu dieser Wegkreuzung (siehe Bild unten) gelangen und den richtigen Nachhauseweg suchen.

Wege

Einzelne können eine Vielzahl von Wegen nur sequenziell beschreiten



Von den fünf möglichen Optionen kann man als Einzelne(r) nur einen der sich bietenden Wege nutzen. Für Einzelpersonen erscheint es tatsächlich unmöglich alle Wege zeitgleich zu verfolgen.

Der „unauflösbar“ anmutende Widerspruch (Paradoxon) könnte nur durch eine „mittelalterliche Vierteilung“ oder durch das Beschreiten der Wegeoption im differenziertem Zeitverlauf lösbar sein.

Das Beispiel zeigt, dass Einzelpersonen oft kaum zu überwindende Grenzen gesetzt sind. Man könnte auch sagen, dass die Output-Produktivität von Individuen gewissen Einschränkungen unterliegt.

Die Sachlage ändert sich allerdings, falls fünf Individuen gleichzeitig an diese Kreuzung gelangen sollten. Als eine Einheit wäre das potenzielle Kollektiv in der Lage, jedem der fünf Wege auf einmal zu folgen.

Gruppen können paradox anmutende Situationen von Einzelnen entschärfen, indem sie Individuen als ein Verstärker (Amplifier) von Produktivität dienen.

Durch die Multiziplität der Akteure in einer Gemeinschaft lassen sich die „SOWOHL-ALS-AUCH“ - Probleme von Einzelnen überwinden.

Physikern dürfte diese Multiziplität bekannt vorkommen. Der Ansatz besitzt Assoziationen mit dem quantenmechanischen Prinzip der Superposition subatomarer Teilchen in Kohärenz (lat.: cohaerere = zusammenhängen).

Man könnte Gruppen daher auch als eine „Form“ oder „Gestalt“ der Paradoxie bezeichnen, da deren Begabung auf einer „Überlagerung“ von Produktivität basiert. Aber zurück zum Thema!

Der „Multiplikationseffekt“ folgt keinem Automatismus, d.h. er kann, muss aber nicht zwangsläufig, eintreten. Gruppen können ihre Ertragsfähigkeit nämlich nur dann unter Beweis stellen, falls auch ein Nutzen (ein Utilitarismus) der jeweils Beteiligten davon betroffen sein sollte.

So besteht für den einzelnen Wanderer keine wirkliche Notwenigkeit zu einer gemeinschaftlichen Suche nach dem „richtigen Weg“, falls mit Kartenmaterial oder technischen Hilfsmitteln (GPS) gearbeitet wird.

Der situative Einsatz von Medien verschafft bereits einen Nutzen, der durch eine Gruppe nicht mehr gesteigert werden könnte. Ist die vorhandene Produktivität und Vielfalt der Individuen groß genug, besteht kein Anreiz für kollektive Abhängigkeiten.

Im Gegenteil! Eine ausreichend hohe Vielfalt an Information in Händen eines einzelnen Wanderers könnte sogar dafür sorgen, dass die restlichen vier Individuen als „Mitläufer“ in dessen Abhängigkeit geraten.

Eine funktionierende Gruppe benötigt ein kollektives Gleichgewicht an Information, da eine individuelle Vielfalt Dominanz und Steuerung natürlicher Gebilde ermöglichen kann.

Sinn und Zweck einer funktionierenden Gemeinschaft liegen also buchstäblich im Augenmerk des Interesses der jeweils beteiligten Individuen.

Ein Verbund kann nur dann als Multiplikator dienen, falls die zu erwartenden Aktivitäten der Gemeinschaft einen Nutzen oder OUTPUT ausweisen, der den von Einzelhandlungen zu übersteigen vermag.

Der OUTPUT sollte den INPUT übertreffen:

Der komplementäre „Ertragsnutzen“ ist das Grundprinzip aller natürlichen Verbunde; „It’s an Output-driven world“.

Wann also wird ein Nutzen zum Nutzen?



Erwartungen an einen Nutzen können gemeinschaftliche Aktivitäten initialisieren. Die berechtigte Frage dürfte nun sein, ab wann ein Nutzen zu einem tatsächlichen Nutzen wird?

Die Einschätzung von Nutzen basiert auf der individuellen Wahrnehmung von Bedürfnissen und Interessen der Beteiligten. Diese Bewertung kann Variationen unterworfen sein, falls sich situative Rahmenbedingungen verändern. Umweltverhältnisse können z.B. so ein „Effektor“ (Auslöser) sein, der die Wertigkeit von Nutzeninteressen maßgeblich beeinflussen kann.

Dies lässt sich illustrieren, indem wir die fünf Individuen an der Kreuzung in das archaische Umfeld einer Wüste (ohne technische Hilfsmittel) verorten. Derartige Bedingungen können Perspektiven verändern und zum Treiber aller interessenbasierten Handlungen werden.

Wüste

In einer Wüste verändert sich die Interpretation von Nutzen



Systemische Handlungen befinden sich stets in einer Abhängigkeit zu einem im Umfeld der Elemente befindlichen „Effektor“, der einen Einfluss auf „Rezeptoren“ (Elemente) ausübt. Was unsere fünf Individuen betrifft, so kann das Umfeld den Charakter der Nutzeninterpretation verändern.

Die Bildung einer Gruppe dürfte nun die logische Konsequenz der individuellen Interessenlage sein, da ein Verbund in der Wüste zweifelsohne einen wertvollen Multiplikator-Effekt bieten könnte.

Gemeinschaften erhöhen die Wirksamkeit (Effektivität) von Individuen, falls die damit verbundenen Erwartungen an den Nutzen entschieden höher zu bewerten sind, als es die intrinsische Produktivität (Effizienz) der beteiligten Einzelpersonen bereits ist.

Eine kollektive Ressourcennutzung dient paradoxerweise der Schonung individueller Ressourcen. Diese Form der Nachhaltigkeit einer Gemeinschaft dient den Einzelnen als ein opportunistisches Mittel zum Zweck und kann deren Existenzwahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen.

Selbst ohne den Einfluss von Extremsituationen (z.B. Wüste), dürfte der Wunsch nach Erhalt und Entwicklung einer individuellen Existenz, die Triebfeder für alle Arten von Gruppierungen sein.

Die Motivation für den Anschluss an ein Kollektiv besteht in der Möglichkeit vorhandene Bedürfnisse und Interessen zu potenzieren. Organisationen wiederum nutzen diesen sehr rudimentären Impetus der Mitglieder, indem sie deren Kenntnisse und Fähigkeiten abschöpfen.

Im nächsten Kapitel geht es u.a. um die Selbstreferenz von Nutzen und dessen Synergien in Verbindung mit natürlichen Wachstumsraten. Zum Weiterlesen klicken Sie bitte folgenden Link zu Kapitel Zwei.

Zu Teil 2



Text by Anton Seidl; Source and Credits to:

Ludwig von Bertalanffy, William Ross Ashby, Heinz von Foerster, Margaret Mead, Anthony Stafford Beer, George Spencer-Brown, Warren McCulloch, Walter Pitts, Arturo Rosenblueth, Norbert Wiener, Gregory Bateson, Julian Bigelow , Paul Lazarsfeld, Kurt Lewin ,Humberto Maturana, Francisco Varela, Stuart Kauffman, Alfred Radcliffe-Brown , Talcott Parsons, Hermann Haken, Niklas Luhmann, Fritz B. Simon;



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